BILD titelt: „Bettina Wulff wehrt sich gegen Huren-Gerüchte“

Die heutige Titelseite der BILD-Zeitung – an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten.

Jetzt geht es auf dünnes Eis! Wie viele Zeitungen, allen voran die Süddeutsche Zeitung (SZ) und BILD heute berichten, hat Deutschlands beliebtester TV-Moderator Günther Jauch sich per hochformaler Unterlassungs-Verpflichtungserklärung verpflichtet, Gerüchte über eine angebliche Rotlicht-Vergangenheit Bettina Wulffs nicht weiterzuverbreiten. Die Suchmaschine Google wiederum soll durch eine Klage unserer Ex-First-Lady dazu gebracht werden, bei der Eingabe von „Bettina Wulff“ keine ergänzenden Suchvorschläge wie „escort“ oder „rotlicht-vergangenheit“ mehr einzublenden. Von einer Klage gegen die mutmaßlichen Urheber der üblen Gerüchte, dem SZ-Bericht zufolge „CDU-Kreise in Hannover“, also Parteifreunde ihres Gatten, ist hingegen nichts bekannt geworden.

Gerüchte um BILD-Veröffentlichung
Hintergrund: Jauch, fürwahr kein aggressiver Skandaljournalist, hatte in seiner Talksendung am 18.12.2011, also rund 2 Monate vor Wulffs Rücktritt, den stellvertretenden BILD-Chefredakteur Nikolaus Blome mit Verweis auf die Berliner Zeitung angesprochen, es werde „gemunkelt“, die BILD-Zeitung halte auf Anweisung von ganz oben eine Geschichte über das frühere Leben Bettina Wulffs zurück. „Das ist kompletter Quatsch“ hatte Blome geantwortet.

Jauch soll Gerüchte gesellschaftsfähig gemacht haben
Aus Sicht Bettina Wulffs habe Jauch die damals bereits im Internet kursierenden Gerüchte durch seine Frage erst gesellschaftsfähig gemacht. In Kenntnis der Klage ließ Günther Jauch seinen Anwalt selbst im Mai 2012 noch erklären, er habe sich auch in dieser Frage an die „journalistischen Sorgfaltspflichten“ gehalten. Im Streit mit Bettina Wulff hat Günther Jauch jetzt nachgegeben, ihm sei „in keiner Weise daran gelegen, die Aussagen zu wiederholen“.

Grund des Wut-Anrufs war seinerzeit umstritten
Wir erinnern uns: Bundespräsident Christian Wulff selbst hatte zunächst vehement bestritten, dass es ihm bei seinem Wut-Anruf am 12.12.2011 auf die Mailbox von BILD-Chef Kai Diekmann um die Verhinderung eines Berichts zum ominösen Hauskredit gegangen sei. Vielfach wurde seinerzeit spekuliert, was denn dann den sonst so smarten Wulff dazu gebracht haben könnte, sich auf der Mailbox Diekmanns um Amt und Würden zu wüten.

Blogger abgemahnt, Schmerzensgeld eingeklagt
Bis zum Rücktritt Christian Wulffs vom Amt des Bundespräsidenten habe sich Bettina Wulff nicht gegen die Gerüchte gewehrt, wohl um ihnen nicht zusätzliche Aufmerksamkeit zu verleihen, wird spekuliert. Zwischenzeitlich allerdings, so die BILD die SZ zitierend, habe Bettina Wulff eine eidesstattliche Erklärung vor Gericht abgegeben, wonach „alle Behauptungen über ihr angebliches Vorleben als Prostituierte oder als Escort-Dame“ falsch seien. „34 deutsche und ausländische Blogger und Medien“ hätten zwischenzeitlich Unterlassungserklärungen abgeben müssen, berichtet die BILD. Mehrere Medienhäuser hätten Schmerzensgeld in fünfstelliger Höhe zahlen müssen.

Keine Einschränkung der Google-Suchfunktionalität
Google hingegen dürfte sich über das Ansinnen Bettina Wulffs, seine Suchmaschinenfunktionalität einschränken zu lassen, kaputtlachen. Schließlich ergänzt der Internetsuchdienst die Suchanfragen lediglich anhand der häufigsten Eingaben seiner Nutzer. Und, anders als den Bloggern der Republik, dürfte das bisschen Steuergeld („Ehrensold“) in der Kriegskasse der Wulffs dem globalen Internetriesen wie Peanuts erscheinen. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck: „Die bei der Google-Autovervollständigung sichtbaren Suchbegriffe spiegeln die tatsächlichen Suchbegriffe aller Nutzer wider.“ Google habe in Deutschland bereits fünf ähnliche Verfahren geführt – und alle gewonnen.

Auflagensteigerndes Gerüchte-Recycling!
Ganz nebenbei sind heute zumindest die BILD und Bettina Wulff auf ihre Kosten gekommen: Bettina Wulff bekam ordentlich Publicity für ihr in wenigen Tagen erscheinendes Memoiren-Buch „Meine Sicht der Dinge“ – für das sich ohne die aufgewärmten Gerüchte sicher keiner interessiert hätte. Und die BILD durfte unsere Ex-First-Lady heute doch noch auf der Titelseite ablichten und mit „Huren-Gerüchten“ in Zusammenhang bringen. An sprichwörtlicher „Scheinheiligkeit“ ist das Ganze kaum noch zu überbieten.

zwischenrufer / 8.09.2012

http://www.sueddeutsche.de/politik/klage-der-ehemaligen-praesidentengattin-jauch-erkennt-wulffs-unterlassungsanspruch-an-1.1462543

http://www.bild.de/politik/inland/bettina-wulff/klage-gegen-guenther-jauch-und-google-wegen-huren-geruechten-26095904.bild.html

http://www.focus.de/politik/deutschland/wulff-unter-druck/escort-girl-geruechte-um-ex-praesidentengattin-bettina-wulff-klagt-gegen-google-und-guenther-jauch_aid_815490.html

 

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