Guttenberg-Affäre 2 – BILD kämpft für Guttenberg

Noch-Verteidigungsminister zu Guttenberg hat bei seiner Promotion frech abgeschrieben. Foto: Wikipedia

Jetzt wird es richtig spannend: Karl-Theodor zu Guttenberg verzichtet wegen der Plagiatsvorwürfe gegen ihn vorläufig darauf, seinen Doktortitel zu führen. Jedenfalls bis zur Prüfung der Vorwürfe durch die formal zuständige Uni Bayreuth. Bis dahin werde er weiterhin die Verantwortung für die von ihm betriebene „historische Bundeswehrreform“ tragen. Völlig außen vor bleibt, dass Karl-Theodor zu Guttenberg  schon kurz nach Amtsantritt als Wirtschaftsministers wegen falscher Angaben über seine Tätigkeiten in der freien Wirtschaft in die Kritik geraten war. Guttenbergs Verteidigungsstrategie ist gleich doppelt clever. Und dass dann auch noch prompt drei deutsche  Soldaten in Afghanistan fallen, spielt dem Minister, auch wenn das zynisch klingt, in die Karten.

Cleverer Doppelstrategie
Erstens hat Guttenberg den akademische schwarze  Peter jenen  Professoren hin gespielt, die Guttenbergs Doktorarbeit 2007 als wissenschaftliche Spitzenleistung ansahen und mit „summa cum laude“, also mit höchstem Lob,  auszeichneten.  Das  ist wirklich clever:  Die Uni hat Guttenbergs akademische Leistungen nicht nur ausgezeichnet, sie hat in der Vergangenheit sogar mit ihrem prominenten Musterschüler geworben. Entzieht sie Guttenberg den Doktortitel ist sie ebenfalls blamiert.  Zudem: Der Ombudsmann der Kommission, die nun über die Aberkennung des Doktortitels entscheiden soll,  saß schon in Guttenbergs Prüfung dabei.  Auf den schwarzen Filz an der Uni Bayreuth, gewoben aus einem gemeinsamen konservativen Weltbild, politischen Abhängigkeiten und akademischer Selbstgefälligkeit sollte sich der Verteidigungsminister verlassen können.

BILD: Guttenberg bleibt! Gut!
Zweitens hat sich BILD mit der heutigen Ausgabe und in Kenntnis der Fakten eindeutig auf Guttenbergs Seite gestellt. Für die Speerspitze bundesdeutscher Propagandapresse ist der Freiherr von und zu Guttenberg, zumal verheiratet mit einer bildhübschen Gräfin von Bismarck-Schönhausen, längst der nächste christdemokratische Kanzlerkandidat. Die Verteidigungslinie ist klar: Fehler mache schließlich jeder einmal, das mache auch Spitzenpolitiker nur menschlicher. Zudem müssten erfolgreiche Politiker – quasi als Bewährungsprüfung – durch solch schwierige Situationen.

Typisch BILD: Verschweigen, verdrehen, vergeben
Die Methode wird beim gemeinen BILD-Leser verfangen: Erst verschweigt man dem Leser die Fakten, die Belege seitenweiser Abschreiberei, obwohl alles bekannt und zugänglich ist. Dann wird Guttenbergs Betrug unter Herbeiziehung möglichst namhafter Prominenter  auf das Niveau des Falschparkens heruntergeschrieben. Um dem Verteidigungsminister dann im dritten Schritt und angesichts seiner  großen Beliebtheit  großzügig  zu vergeben. Volkes Wohlwollen ist auf Guttenbergs Seite, ohne Zweifel.  Jetzt gelte es eigene Schwächen einzugestehen aber dabei Rückgrat zu beweisen, sekundiert die BILD den Reifeprozess des Verteidigungsminister.

Der Unterschied: Käßmann ist zurückgetreten
Einar Koch von der BILD versteigt sich in seiner „Analyse“ gar zum Vergleich mit dem Fall der Ex-Bischöfin Margot Käßmann. Was für ein Hohn: Denn Margot Käßmann ist mit einem Glas Wein zu viel unfallfrei Auto gefahren, dabei erwischt worden – und anschließend mit Anstand und großem Selbstbewusstsein von allen Ämtern zurückgetreten.  Das genau ist der Unterschied: Käßmann ist nicht zur Erschleichung zusätzlicher Würden vorsätzlich besoffen Auto gefahren um danach zu erklären sie werde ihr Amt als Landesbischöfin ruhen lassen bis Gras über die Sache gewachsen ist.

Käßmanns Respekt hat ein öffentliches Amt verdient, das war verantwortungsvoller Umgang mit der Verantwortung. Diese Konsequenz auch zum eigenen Nachteil geht dem Noch-Verteidigungsminister ab. Insofern sollte man ihn eher mit Silvio Berlusconi vergleichen.

zwischenrufer / 19.02.2011

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