Guttenberg-Affäre 4 – Seltener Sieg der Redlichkeit

Rücktritt ein Sieg der Redlichkeit über die Arroganz. Foto: Alexander Hauk, www.pixelio.de

Rücktritt ein Sieg der Redlichkeit über die Arroganz. Foto: Alexander Hauk, www.pixelio.de

Weg isser. Karl-Theodor zu Guttenberg ist endlich zurückgetreten. Der Rücktritt kam spät. Guttenberg begründete seinen Schritt heute – natürlich – damit, dass die Aufmerksamkeit um seine Person von den eigentlich wichtigen Fragen ablenke. Aber selbst im Rücktritt blieb der Ex-Minister uneinsichtig. Zwar nannte er den Rücktritt vor Journalisten in Berlin den „schmerzlichsten Schritt meines Lebens“. Guttenberg weiter: „Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.“ Für den Fall eines Comebacks im Stile Özdemirs halten wir vorsorglich fest: Guttenberg ist nicht aus Einsicht zurückgetreten, sondern hat entkräftet aufgegeben.

Erst als ihn sein Doktorvater Peter Häberle öffentlich kritisierte, binnen weniger Tage zehntausende Universitätsmitarbeiter und Doktoranden einen Unmutsbrief an Angela Merkel unterschrieben und in den vergangenen Tagen einige wenige mutige Christdemokraten wie Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bildungsministerin Annette Schavan von ihm abrückten, dürfte ihm klar geworden sein, dass auch die besten Umfragewerte ihn am Ende nicht im Amt halten können.

Seltener Sieg der Redlichkeit
Guttenberg ist nicht nur zurückgetreten. Sein Rücktritt ist keine große Geste eines gescheiterten Hoffnungsträgers, sie ist das Gegenteil: Ein überaus seltener Sieg der Redlichkeit über die Überheblichkeit. Denn das war es, was Guttenberg nach und nach für immer mehr Menschen unerträglich machte: Seine überhebliche Arroganz gegenüber intellektueller, akademischer Leistung und geistigem Eigentum, die beklemmende Selbstheroisierung des Lügenbaron, sein plumper Versuch der Berlusconisierung der deutschen Politik.

Insofern dürfte Guttenberg der erste deutsche Minister sein, der an der intellektuellen Empörung der von ihm Mitregierten scheiterte. Das macht – trotz der vielen Betonköpfe in der Union – Hoffnung für die Zukunft. Der Anstand hat einen Sieg davon getragen.

zwischenrufer / 01.03.2011

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