Heinrich Böll – In Bonn verlief immer alles anders …

DEUTSCHLAND, DEINE DEUTSCHEN (8)

Heinrich Böll 1981

Heinrich Böll 1981, Foto: Bundesarchiv.

Heinrich Böll (geb. 1917 in Köln, gest. 1985 Kreuzau), deutscher Schriftsteller, ist für mich persönlich (Jahrgang 1966) der bedeutendste Autor der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit. Kaum ein Schriftsteller war auf seinem Zenit aktueller politisch – und Böll ist vermutlich deswegen, kaum verstorben, schnell in Vergessenheit geraten. In meiner subjektiven Reihe der bedeutenden Deutschen gebührt Heinrich Böll um so mehr ein Ehrenplatz.

Maßgeblich für den seinerzeit von Marcel Reich-Ranicki in der ZEIT übel verrissenen Roman „Gruppenbild mit Dame“(„Noch nie hat ein deutscher Klassiker so schlampig geschrieben wie diesmal Heinrich Böll“) erhielt Böll 1972 den Literatur-Nobelpreis.

Meinen ersten Böll, die „Ansichten eines Clowns“, schenkte mir Monika Goetsch (Journalistin und Autorin) im Dezember 1985, kurz nach Bölls Tod, zu Weihnachten (Danke!). Ich verschlang die tragische Geschichte vom Scheitern des so merkwürdig deutschen Mannes Hans Schnier binnen Stunden.

Böll hat mich daraufhin einige Jahre nicht mehr losgelassen, obwohl das Deutschland, das er in seinen Büchern beschrieb, für uns Spätbundesrepublikaner bereits wieder Geschichte war. Aber dem politisch Interessierten erschloss sich dank Böll diese merkwürdig katholische Bonner Nachkriegsrepublik ebenso, wie das Mienenfeld der bundesdeutschen 1970er Jahre zwischen RAF und Strauß.

Zu Ehren seiner Verdienste um die deutsche Friedensbewegung benannten die Grünen ihre politische Stiftung nach Heinrich Böll.

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