Kachelmann freigesprochen

Unschuldvermutung hin oder her: Jörg Kachelmann dürfte als TV-Moderator erledigt sein

Unschuldvermutung hin oder her: Jörg Kachelmann dürfte als TV-Moderator erledigt sein

Jörg Kachelmann ist diese Woche nach monatelangem öffentlichem Schauprozess – und fast will man spotten: trotz des leibhaftigen Einsatzes von Frauenrechtsikone Alice Schwarzer als Bild-Berichterstatterin (schäm dich Alice!)- vom Verdacht der Vergewaltigung einer langjährigen – wie man heute weiß – Gespielin freigesprochen worden. Gewonnen hat in diesem Prozess nur die Unschuldsvermutung, moderieren wird Jörg Kachelmann vermutlich nie wieder.

Im Zweifel für den Angeklagten
Anders als bei Moderator Andreas Türk, dessen Karriere 2004 bei ProSieben abrupt endete, obschon es sich bei dem mutmaßlichen Opfer, wie sich später herausstellte, um eine psychisch kranke Zuschauerin handelte, hatte Kachelmann definitiv Sex mit seiner Ex. Allerdings war aus der „Spurenlage“ – angesichts der wohl lange Jahre konsensfähigen sexuellen Praktiken – nicht zweifelsfrei auf eine Vergewaltigung zu schließen. In dubio pro reo, im Zweifel für den Angeklagten.

Blumenkohlwolken-Onkel war gestern
Medial ist Kachelmann natürlich erledigt. Den „Blumenkohlwolken-Onkel“ und Schwiegermüttertraum für die ARD zu geben, dürfte ihm künftig, wo alle Welt von seinen speziellen sexuellen Präferenzen und seiner notorischen Vielweiberei weiß, keine(r) mehr abkaufen.

Anfänge beim Kultradio SWF3
Dabei kann sich der Schweizer Kachelmann, der wie Anke Engelke seine Medienkarriere bei dem früheren Kultradio SWF3 (heute SDR3) begann, vielfältige Verdienste zuschreiben: Als erster mutierte er die Rolle des langweiligen TV-Wetterfroschs zum gutgelaunten Wetterprinzen, machte die TV-Wettervorhersage unterhaltsamer und vor allem anschaulicher und verständlicher, und – gewiss sein größter Verdienst – brach mit seinem 1990 gegründeten Wetterdienst Meteomedia im Laufe der Zeit das Monopol des deutschen Wetterdienstes.

Freispruch ist doch kein Unschuldsbeweis
Kachelmann wird also weiterhin prächtig am Wetter verdienen, nur moderieren wird er es vermutlich nie wieder. Denn, das weiß der Volksmund: hängen bleibt immer was. Um Kachelmann nach einem solchen Gerichtsverfahren komplett zu rehabilitieren, ihn also auch wieder das Wetter moderieren zu lassen, dafür hat auch bei der öffentlich-rechtlichen ARD niemand genug „Arsch in der Hose“. Rechtsstaat hin, Unschuldsvermutung her.

zwischenrufer / 01.06.2011

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