Sex, furzende Hunde – und Bären natürlich

John Irvings "Letzte Nacht in Twisted River". Diogenes Verlag, Zürich 2010.

Wo Irving draufsteht, ist auch Irving drin, damit hat Martin Halter recht. Allerdings hat mir – anders als dem FAZ-Rezensenten – John Irvings neuester Roman „Letzte Nacht in Twisted River“ ausgesprochen gut gefallen.

Auf satten 730 Seiten breitet Irving diesmal die Lebensgeschichte eines alternden Schriftstellers aus und – selbstverständlich – geht es um zerrüttete Familien, frühkindliche Traumata, bizarre sexuelle Phantasien, furzende Hunde und – natürlich – Bären.

Eigentlich ist das Buch ein Verfolgungsroman: 1954. Der zwölfjährige Danny, wächst in einem primitiven Holzfällerkaff in den Wäldern von New Hampshire heran. Als der spätere Erfolgsautor eines Nachts die seinen Vater vögelnde Geliebte des Dorfsheriffs – die er für einen Bären hält – mit einer gußeisernen Pfanne erschlägt, beginnt für ihn und seinen Vater Dominic eine Jahrzehnte dauernde Flucht voller „Unfälle“ durch die Staaten bis nach Kanada.

In jeder neuen Stadt müssen Vater und Sohn wieder neu anfangen, lernen neue Leute kennen und lieben und durchleben während ihrer Reise eine Achterbahnfahrt zwischen Zufällen und Gefahren, Glück und Schmerz.

Irvings neuer Roman ist wieder wild und schräg. Dazu auch politischer als Irvings bisherige Bücher, da der Autor diesmal nicht mit Kritik an Amerikas Reaktion auf Nine Eleven spart und die Terroranschläge des 11. September 2001 in die Handlung zieht.

Trotzdem, trotz all dem Irrsinn und all der „Unfälle“ um ihn herum, gönnt Irving seinem Protagonisten in „Letzte Nacht in Twistes River“ ein versöhnliches Ende: „Manche Leute finden nie auch nur einen Menschen für sich; Daniel Baciagalupo dagegen hatte zwei gefunden.“ Man gönnt es ihm nach 730 Seiten von Herzen.

31.08.2011/ zwischenrufer

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