Guttenberg-Affäre 1 – Verteidigungsminister zu Guttenberg hat abgeschrieben

Noch-Verteidigungsminister zu Guttenberg hat bei seiner Doktorarbeit frech abgeschrieben. Foto: Wikipedia

Karl-Theodor hat abgeschrieben. Das ist menschlich, wer hat das noch nie getan? Wer sich in der Unterprima beim Abschreiben erwischen lässt, wird mit einem „Sechser“ und reichlich Theaterdonner daheim rechnen müssen. Wer hingegen für die eigene Doktorarbeit abschreibt ohne die Quelle zu nennen und dabei – wie unser Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg –  erwischt wird, wird das kaum noch als Jugendsünde abtun können. Der nun ruchbar gewordene Skandal um die Dissertation des überaus eloquenten CSU-Politikers wird ihn das Amt kosten. Der Verteidigungsminister ist nicht nur bis auf die Knochen blamiert. Sollte jetzt nicht noch der Verteidigungsfall oder wenigstens eine Oderflut  von der Geschichte ablenken,  wird Karl-Theodor zu Guttenberg binnen einer Woche zurücktreten (müssen).

Nur schlechte Wissenschaft oder Betrug?
Denn im vorliegenden Fall hilft kein Kleinreden, da seien lediglich ein paar „Fußnoten vergessen“ worden (Volker Kauder). Auch der Hinweis, man müsse zwischen „schlechter Wissenschaft und Täuschung“ unterscheiden (Wolfgang Löwer) wird zu Guttenberg nicht retten. Denn tatsächlich hat unser Verteidigungsminister wohl im vollen Bewusstsein betrogen, als er mit seiner Dissertation anderer Wissenschaftler und Journalisten geistiges Eigentum als eigene Denkarbeit getarnt zur Beurteilung bei einer altehrwürdigen öffentlich-rechtlichen Institution wie der Uni Bayreuth einreichte. Wer ganze Textpassagen abschreibt ohne wie geboten zu zitieren, respektive abschreiben muss oder abschreiben lässt (alle drei Varianten sind denkbar), hat mehr als nur Hohn und Spott als Konsequenz verdient.

Leutheusser-Schnarrenbergers Giftpaket
Auch die Einlassung der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP),  man solle die Vorwürfe erst einmal „ganz in Ruhe“ aufklären, ist bei genauem Hinsehen nicht als Beistand zu werten, sondern ein Giftpaket. Schließlich hat zu Guttenberg selbst noch vor wenigen Wochen den Kapitän der „Gorch Fock“ zuerst seines Amtes enthoben – um alsdann die Vorwürfe gegen diesen ebenfalls in aller Ruhe aufarbeiten zu lassen. Jürgen Trittin (Grüne) ätzt derweil genüsslich: „Guttenberg hat zum ersten Mal das Problem, dass er die Verantwortung auf keinen anderen abschieben kann.“

Je tiefer der Sturz, desto höher Auflage und Einschaltquote
Ohnehin schien es nur eine Frage der Zeit, wann sich der Medienhype um CSU-Politstar Karl-Theodor zu Guttenberg ins Gegenteil verkehren würde. Helden enden seit der Antike am Ende immer tragisch. Je tiefer der Sturz, je lauter der Aufprall, desto höher Auflage und Einschaltquote. Das sind die ehernen Gesetze einer Mediengesellschaft deren Profiteur zu Guttenberg bis gestern war. Der Minister wird zurücktreten, eine Weile seine Wunden lecken und dann auf einem wohldotierten Posten als Wirtschaftslobbyist oder Sozius einer rennomierten Anwaltskanzlei wieder auftauchen. So oder zumindest so ähnlich enden Angela Merkels Männergeschichten doch schon seit mehr als einer Dekade.

Plagiatsvorwürfe erhärten sich
Die Plagiatsvorwürfe gegen zu Guttenberg sind derweil nicht nur gut dokumentiert, sondern auch in einem „GuttenPlag Wiki“ zusammengefasst. Wer sich einen eigenen Überblick zu den Vorwürfen verschaffen möchte, dem sei der nachfolgende FAZ.NET-Artikel empfohlen. FAZ.NET vom 17.02.2011 /Union spricht von einer „Schmutzkampagne“

zwischenrufer/ 17.02.2011

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