Pierre Vogel – Islamischer Missionar oder Hassprediger?

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Pierre Vogel (geb. 1978 in Frechen, NRW). Evangelisch getaufter und konfirmierter Deutscher, deutscher Jugendmeister im Boxen. Konvertierte 2001 zum Islam. Heute ist der islamistische Prediger fundamentalistischer Islam-Theorien (Bild: „Hassprediger“) wohl die einflussreichste Person der deutschen Konvertitenszene. Als gefährlich eingestuft wird er mind. seit 2010 vom Verfassungsschutz überwacht.
Hinweis: Diese SAT1-Reportage verwendet Vogels Propagandakanal bis heute als Werbemittel.

Heino – ein vorbildlicher Aktivrentner

DEUTSCHLAND, DEINE DEUTSCHEN (2)

Heino, eigentlich Heinz Georg Kramm, geb.1938 in Düsseldorf. Früher als Vollpfosten eine Krone der Volksmusik. Heute kein Bambi mehr, sondern als Kulturgutschänder, hier im Video mit Gotthilf Fischer, Deutschlands vorbildlichster Aktivrentner. Klingt zwar  verdächtig nach Rammstein – aber Heino singt einfach besser als Till Lindemann. Viel Spaß damit!

KLIMANSKI: SCHMITTS ERSTER FALL

klimanski_schmitts_fallBeginnen wir das Jahr 2015 mit einer Buchempfehlung!

Ich habe Manfred Klimanskis Erstlingskrimi SCHMITTS FALL mit großem Genuss gelesen. Privatdetektiv Heinz Schmitt ermittelt in seinem ersten literarisch verzeichneten Fall in einer Erpressung und gerät dabei unvermittelt in eine Mordserie an Musikern des Sinfonieorchesters. Mehr will ich von der spannenden Geschichte eigentlich nicht verraten.
Mich hat begeistert, mit welcher Detailschärfe Klimanski seine Opfer, Musiker allesamt, zunächst in ihrer Skurrilität zeichnet – bevor er sie mit kaum verborgener Begeisterung hinmeuchelt.

Wer den Autor, beruflich lange Jahre Rektor der Musikhochschule Freiburg, und die lauschige Provinzidylle Freiburgs persönlich kennt, dem wird das Buch, die erzählte Geschichte und die wie nebenbei eingefangene Atmosphäre ganz besonders gut gefallen.

Ich freue mich bereits auf Schmitts nächsten Fall. Lesen!
Klimanski, Schmitts Fall <<< bei Amazon bestellen

Grundeinkommen! Doch die SPD hat nichts begriffen

Freiheit, Gleichheit, Grundeinkommen. Die SPD will es einfach nicht begreifen.

Ob nun die CDU mit den Jahren sozialdemokratischer geworden ist, sei dahingestellt. Jedenfalls ist sie unter der Führung von Angela Merkel ein wenig moderner als unter Helmut Kohl. Das dürfte zur Bundestagswahl im Herbst dicke reichen, denn die gute alte Tante SPD hat nichts, überhaupt nicht begriffen wo ihre Chance liegen könnte. Die Nominierung Klaus Wiesehügels ins Schattenkabinett Peer Steinbrücks beweist – einmal mehr – die grundsätzliche Verirrung der Parteiführung.

Entremdung, Ratlosigkeit, kein Konzept
Die Entfremdung zwischen Spitzenpersonal und Wähler war nie größer.
Derzeit dümpelt die SPD in Umfragen um die 25%. Genau genommen, also eine 75% Wahlbeteilung vorausgesetzt, repräsentiert die SPD derzeit also noch rund 18% der Wahlberechtigten. Nicht einmal jeder Fünfte Wahlberechtigte würde am Sonntag der SPD das Vertrauen schenken.  Und das in einer Situation, in der sich immer mehr Menschen entsichert und abstiegsbedroht fühlen oder – inmitten unseres Wohlstandes – bereits in Armut leben. Für diese Menschen war Hartz IV bestenfalls ein Rohrkrepierer,  sie haben heute weniger als früher. Weniger Geld, weniger Perspektive im ersten Arbeitsmarkt, noch weniger Sicherheit vor Altersarmut. Gefühlsmäßig weiß die SPD, dass sie erst wieder zu sich findet, gar wieder enthusiastische junge Mitglieder finden wird, wenn es ihr gelingt, ernst gemeinte und pragmatische Konzepte zur Armutsbekämpfung und hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit anzubieten.

Völlig falsches Signal
Nun hat man – scheinbar als Ausweis der eigenen Kompetenz in Arbeits- und Gerechtigkeitsfragen – ausgerechnet wieder einen Gewerkschaftsboss in Steinbrücks Schattenkabinett berufen. Die Nominierung Wiesehügels darf man getrost so angemessen finden,  wie einen Vorschlag der FDP, einen Pharmalobbyisten zum Gesundheitsminister zu machen. Und erinnern wir uns nicht alle noch mit Grausen an Walter Riester?

Nichts gegen Gewerkschaften
Um es klarzustellen: Natürlich haben die Gewerkschaften historische Verdienste, auch um den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft. Doch in den vielen hinter uns liegenden Wohlstandsjahren haben sich Funktion und Selbstverständnis der Gewerkschaften deutlich gewandelt. Auch die historische gewachsene Nähe zur SPD ist längst der gegenseitigen Irritation gewichen: Heute streiten Gewerkschaften nicht mehr um soziale Mindeststandards für aufstrebende Massen, sondern hocheffizient für Besitzstandswahrung und Wohlstandsmehrung ihrer Mitglieder. Vermutlich war das historisch schon immer so. Nur dass heute gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer für ihre – übrigens oft sehr teure – Mitgliedschaft vor allem eines erwarten – und bekommen: Mehr Geld in ihrer nächsten Lohntüte. Gestande Gewerkschafter sind also was sie sind: Interessenvertreter derer, die sich innerhalb des funktionierenden Sozialversicherungssystems befinden. Alternative Wege jenseits der klassischen Formen der Erwerbsarbeit sind ihnen fremd. Angestellte Arbeit, möglichst über einem Mindestlohn und die „Reintergration“ Nicht-Erwerbstätiger in das erodierende Sozialversicherungssystem – statt dessen radikaler Transformation – ist ihr Sozialstaatsmodell. Experten für innovative Formen gesellschaftlicher Selbstorganisation sind sie damit gewiss nicht.

Keine geborenen Experten für Gerechtigkeit
Dass den Gewerkschaften durch ihre historische Nähe zum „arbeitenden Volk“, durch ihre oft hochideologische interne Fortbildungsarbeit, ihre Spitzenvertreter mit Erfahrungen in Aufsichtsräten nationaler und internationaler Industrieunternehmen ein besonderes Spezialistentum in Fragen der Armutsbekämpfung zuwächst ist ein historischer Irrtum, dem die SPD – wohl mangels eigener Ideen – hartnäckig aufsitzt.

Die SPD hätte Götz W. Werner fragens sollen
Meinte es die SPD ernst mit der Armutsbekämpfung, wollte sie uns signalisieren, dass sie begriffen hat in welche Richtung sich unsere Gesellschaft entwickeln will (!), wollte sie die nächste Wahl wirklich gewinnen , hätte sie Götz W. Werner oder einen seiner Mitstreiter für ein Grundeinkommen in Steinbrücks Schattenkabinett nominiert.

Ein Trost bleibt: Für eine grün-rote Bundesregierung sind die Grünen bundesweit – noch – nicht stark genug. Ein Minister Wiesehügel bleibt uns ziemlich sicher erspart.

Wem es wirklich ernst ist mit sozialer Gerechtigkeit, dem seien die Webseiten von Götz W. Werner zum bedingungslosen Grundeinkommen bzw. die der Europäischen Bürgerinitiative für ein Grundeinkommen empfohlen.

http://www.unternimm-die-zukunft.de/de/zum-grundeinkommen/
http://www.ebi-grundeinkommen.de/

zwischenrufer / 18.05.2013

Seehofers chronisch sonderhaftes Bayern

Landesregierung in Not: Derzeit hat Horst Seehofer nicht viel zu lachen. Foto: www.csu-portal.de

Geahnt habe wir es ja schon immer, doch die Wahrheit ist viel schlimmer: Bayern ist nach wie vor ein Amigo-Land. Selbst die Jahre unter der Führung des stocksteifen, scheinbar überkorrekten Edmund Stoiber haben daran nichts geändert. Für sich selbst und die ihren, das ist jetzt nicht mehr zu vertuschen, nimmt es die CSU im Freistaat nicht so ernst mit dem Gesetz bzw. mit dem Gesetzesvollzug. Wenn gleich die halbe Regierungsmannschaft rechtswidrig Verwandte beschäftigt, erscheint es plötzlich viel wahrscheinlicher, dass auch unter Horst Seehofer der Mangel an Steuerfahndern Vorsatz hat. Pünktlich zur Bundestagswahl wirbelt nun ausgerechnet eine Steueraffäre um einen prominenten Wurstfabrikanten so viel Staub auf, dass das dahinter liegende System deutlich zu erkennen ist. Ist München in Wahrheit ein Steuerparadies?

„Gute Freunde kann niemand trennen“
Wir haben sehr gelacht, ausgerechnet im Sportteil der F.A.S. vom 28.04.2013 unter dem Titel „Gute Freunde kann niemand trennen“ Belege gar für eine Tradition dieses Systems zu finden. Der Artikel von Christoph Becker beleuchtet dabei scheinbar die traditionell enge Verstrickung von Fußball, namentlich dem FC Bayern München, und der bayrischen Landespolitik. Bereits Ende der Siebziger Jahre, damals hatte Franz Beckenbauer wohl Werbegelder an der Steuer vorbei in der Schweiz angelegt, mischte sich die Staatsregierung vehement zu Gunsten des Weltmeisters in das Steuerverfahren ein, berichtet Ministerialrat Wilhelm Schlötterer (und sei auch in dessen Erinnerungen „Macht und Missbrauch“ nachzulesen). Auch im aktuellen Fall Hoeneß verweist Schlötterer auf einen eigenartigen Umgang vor allem mit dem Steuergeheimnis. „Ich halte so etwas in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen nicht für möglich.

Selbst der Papst ist zurückgetreten
Tatsächlich: Im evangelischen Norden werden selbst Bundespräsidenten für geringere Vergehen aus dem Amt gejagt. Doch dass die barocken Sonderverhältnisse im katholischen Süden nicht auf ewig in Stein gemeißelt sind, hat der radikale Regierungswechsel in Baden-Württemberg gezeigt. Und selbst der unstrittig katholischste Bayer, Joseph Ratzinger, hat es geschafft als Papst zurückzutreten, als er seine Zeit gekommen sah.

Hoeneß geht – vielleicht – mit Champions-League-Sieg
Ich wage keine Prognose, ob auch nur ein bayrischer Minister wegen der rechtswidrigen Beschäftigung von Verwandten zurücktreten wird. Oder wann Uli Hoeneß von selbst zur Erkenntnis gelangt, dass ein derart abgelenkter und vom Businessmodell des FC Bayern ablenkender Präsident für die FC Bayern Fußball AG nicht mehr tragbar ist. Immerhin: Uli Hoeneß könnte noch direkt nach einem gewonnenen Champions-League-Finale in Glanz und Gloria abtreten, z.B. „um weiteren Schaden abzuwenden“, das hätte Stil.

Landtagswahl im Herbst 2013
Die von der Affäre wegen der rechtswidrigen Beschäftigung von Verwandten betroffenen bayrischen Landtagsabgeordneten und Landesminister haben den richtigen Zeitpunkt zum sauberen Abgang bereits verpasst. Jetzt wird es sehr spannend, denn in Bayern wird im Herbst ebenfalls, aber selbstverständlich nicht mit, sondern eine Woche nach der Bundestagswahl, ein neues Landesparlament gewählt. Dem Beobachter drängt sich der Eindruck auf, ein radikaler Wechsel wie in Baden-Württemberg wäre auch für Bayern eine angemessene Medizin gegen die chronische Sonderhaftigkeit.

zwischenrufer / 06.05.2013

Eröffnungsflug vom Flughafen Kassel-Calden fällt aus

Der Herkules, Kassels Wahrzeichen, würde sich beschämt abwenden – wenn er denn könnte. Foto: Schuler.

Kassel-Calden?  Für all jene, die schon Kassel nur vom Zwischenhalt des Intercity kennen: In Kassel-Calden eröffnet Anfang April 2013 ein neuer, lange geplanter Regionalflughafen.  Seit mindestens einem Jahrzehnt werden politisch Verantwortliche nicht müde, Notwendigkeit und positive Effekte eines solchen Regionalflughafens zu betonen.  Entgegen aller Vernunft und trotz chronisch klammer öffentlicher Kassen.  Das Desaster wird immer deutlicher, je näher der Eröffnungstermin heranrückt: Industrie und  Logistikbranche, auf deren unabweisbaren Bedürfnisse man in der politischen Diskussion immer verwiesen hatte, haben am Ende, sehr zum Verdruss der Politik, nicht einen Cent in Kassel-Calden investiert.  Zudem ist es der  REWE-Touristik und Anbieter Involatus nicht gelungen, zureichend Tickets für den Erstflug ins türkische Antalya zu verkaufen.

Nur sechs Tickets verkauft, Flug abgesagt!
Der Flug ist abgesagt, die sechs (!) Passagiere wurden – ausgerechnet – auf Flüge ab Paderborn umgebucht. Das ist, anders als es das nordhessische Leitmedium HNA heute unter der Überschrift „Calden-Passagiere starten in Paderborn“ verniedlichend meldet, viel mehr als nur „peinlich“! Denn das Desaster ist sogar deutlich schlimmer als am BER in Berlin, wo es an Fluggästen vermutlich nie mangeln wird. Gäbe es die Region Nordhessen und wäre sie eine Firma, würden nun Dutzende Köpfe rollen.

Autobahn notwendig, Flughafen fraglich
Anders als die mittlerweile sündhaft teure Autobahn A44 von Kassel nach Eisenach, mit der die Region ihre verkehrsgünstige Lage in der Mitte Deutschlands und das hier angesiedelte Logistikgewerbe weiter stärkt, ist der Regionalflughafen eine äußerst zweifelhafte Infrastrukturmaßnahme – was man in Nordhessen bisher allerdings nicht sagen darf, ohne als Defätist zu gelten. Dabei liegen die Fakten auf der Hand.

Fakten zum Flughafen Kassel-Calden

1) Die Menschen in Nordhessen haben bzw. hatten  mit dem Flughafen Paderborn-Lippstadt längst einen funktionierenden, verkehrsgünstig gelegenen Regionalflughafen. Lediglich die Politik hatte keinen Flughafen.

2) Da der Flughafen Kassel-Calden nicht an eine Autobahn angeschlossen ist, verringert sich die Anreisezeit für die meisten Nordhessen nur minimal. Bereits für Baunataler z.B. dürfte hier kein Unterschied liegen, sie brauchen künftig rund 45 Minuten zum Flughafen ihrer Wahl – entweder bequem über die Autobahn Richtung Dortmund – oder umständlich um die Kasseler Innenstadt herum. Insofern wäre die Anreisezeit eher ein Argument für Südniedersachsen,  Göttinger oder Reisende aus Thüringen, die bisher von Hannover oder Erfurt geflogen sind.

3) Den Tourismus nach Nordhessen wird Kassel-Calden wohl kaum stärken können. Denn die attraktivste und touristisch am besten erschlossene Gegend Nordhessens, das Waldecker Land mit dem angrenzenden Upland in Ostwestfalen, bleibt am näheren Flughafen Paderborn orientiert.

4) Der Wettbewerb der beiden Regionalflughäfen schadet künftig beiden Flughäfen – und hat Paderborn längst geschadet! Die Zeiten günstiger Restflüge von Paderborn auf die Kanaren sind z.B. längst vorbei. Denn eigentlich haben Regionalflughäfen überhaupt keinen Einfluss auf die angebotenen Reiseziele. Darüber entscheiden Touristikindustrie und Billigfluglinien, die die Regeln ihres ruinösen Wettbewerbs knallhart an die Flughafengesellschaften durchreichen. Flughäfen, die nicht bereit sind an der Kostengrenze mitzubieten, werden ausgelistet, unausgelastete Regionalflughäfen gibt es in der ganzen Republik. Den Regeln dieses Marktes folgend werden Touristikunternehmen und Fluggesellschaften die beiden Flughäfen künftig  gegeneinander ausspielen.

5) Bliebe noch der Luftfrachtverkehr, um den man bereits oder zumindest alsbald verstärkt werben wird in Kassel-Calden. Sieht man vom Problem der Nachtflüge ab: Dessen Güter müssen nach der Landung wieder auf die Straßen – die ohne Autobahn durch nordhessische Gemeinden führen. Wird Kassel-Calden ein Erfolg als Frachtflughafen, sind die Probleme der Anliegergemeinden vorhersehbar. Und wie gering der nordhessische Einfluss auf das Bundesverkehrsministerium ist, zeigt die Entwicklung an der A7 Anschlussstelle Kassel-Nord überdeutlich.

Flughafen ohne Autobahnanschluss
Die hessischen Steuerzahler, besonders hart wird es die Kasseler treffen, werden also voraussichtlich über viele Jahre für einen vermutlich schlecht marktgängigen, defizitären Flughafen aufkommen müssen. Bis denn dereinst, jenseits der sogenannten Krise, Tourismus und Frachtverkehr wieder ordentlich wachsen. Ob sich der Flughafen ohne Autobahnanschluss je rechnet steht heute mehr denn je in den Sternen.

zwischenrufer / 23.03.2013

FDP: Dummheit lässt sich nicht verbieten

Dummheit lässt sich nicht verbieten: Philipp Rösler ist gegen das NPD-Verbotsverfahren.

Eigentlich sollte man überhaupt nicht über die FDP schreiben. Aber davon stirbt weder die Dummheit aus, noch lässt sich damit ein Scheitern der FDP bei der nächsten Bundestagswahl unterstützen. Also entsteht einmal mehr ein Text, den Leser wie meine Schwester „fies“ finden. Trotzdem.

Beginnen wir mit den Tatsachen: Wider Erwarten hat FDP-Chef Philipp Rösler gerade ein energisches NEIN zum NPD-Verbotsverfahren vorgetragen: Dummheit lasse sich nicht verbieten, meint er. Klasse Auftritt, deutliche Worte – denkt man beim ersten Hinhören.

Verbotsverfahren längst „unterwegs“
Dumm nur, dass das von einer deutlichen Bundesratsmehrheit angestoßene NPD-Verbotsverfahren längst nach Karlsruhe unterwegs ist. In der aktuellen Diskussion geht es also nur noch darum, ob die Bundesregierung dem Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht formal beitritt.

Wieder nur Show oder gar politisches Kalkül?
Verhandelt und entschieden wird also in jedem Fall, auch ohne Philipp Röslers Segen. War das jetzt also Show oder politisches Kalkül – oder erwarten wir längst viel zu viel von Parteiführern und Bundesministern? Lassen sie uns gemeinsam überlegen.

Hauptsache in die Tagesthemen
Vermutlich, das scheint mir die naheliegendste Interpretation, wollte Rösler, genervt von seinem widererstarkten Spitzenkandidaten, endlich mal wieder ordentlich öffentlichkeitswirksam auftreten. Am besten dahin, wo es Horst Seehofer wehtut, nebenbei Innenminister Joachim Herrmann alt aussehen lässt – und auf alle Fälle für ordentliche Medienresonanz bis in die Tagesthemen sorgt.

Rösler taugt kaum zum Rattenfänger
Oder steckt mehr politisches Kalkül hinter der Botschaft? Schließlich muss ja im Herbst irgendwer sein Kreuz bei der FDP machen. Allerdings dürfte Philipp Rösler – allemal nach der jüngst von „Parteifreund“ Jörg-Uwe Hahn angestoßenen Diskussion um sein ausländisches Aussehen –  wohl wissen, dass sich mit ihm nicht einmal bei Konservativen ordentlich punkten lässt – und schon gar nicht nicht bei dummen Skinheads oder ewig gestrigen Ausländerhassern.

Auf der Zielgeraden ohne Not isoliert
Politisch isoliert sich Rösler – ohne Not und quasi auf der Zielgeraden – indes von all den vielen entschlossenen Demokraten in den Landesregierungen und den Verfassungsschutzämtern, die in den letzten Jahren eine gerichtsfeste Dokumentation verfassungsfeindlicher Aktivitäten der NPD – nur darum geht es im Verbotsverfahren – betrieben haben. Und denen dabei vermutlich große Verdienste bei der nachhaltigen Entflechtung von Staatschutz und NPD zukommen.

Überflüssige Nazipartei endlich verbieten!
Um nicht weniger, als den kläglichen Rest dieser vollständig überflüssigen Partei mit Hilfe der obersten Verfassungswächter endgültig auf der Müllhalde der Geschichte zu entsorgen, geht es den Befürwortern des Verbotsverfahrens. Sie werden getragen von einer breiten Mehrheit in der Bevölkerung. Aber auch von vielen Bürgermeistern, die es leid sind, dass sich Rechtsradikale mit ihren Parteitagen und Aufmärschen – und dem Verweis auf ihren Status als zugelassene Partei – erfolgreich in ihre Hallen und auf ihre Plätze klagen. Erst wenn die NPD verboten ist, hört dieser Spuk auf!

Weiter so, Philipp!
Dass sich mit einem NPD-Verbot allein rechtsradikales Gedankengut verhindern lasse, glaubt sicher niemand. Diesem Niemand galt der so mutige Auftritt Philipp Röslers.

Weiter so Philipp, dann klappt das im Herbst auch mit den vier Prozent!

zwischenrufer / 19.03.2013 / Foto: www.wikipedia.de

Volksverhetzung? Völkermord-Verschweiger kritisieren LEGO

Bausatz LEGO Star Wars 9516 (Jabba´s Palace). Die Türkische Gemeinde Österreich hält dieses Spielzeug für Volksverhetzung. Foto: Lego

Die Türkische Gemeinde Österreich kritisiert einen Lego-Bausatz aus der beliebten Star-Wars-Reihe. Der Bausatz LEGO Star Wars 9516 (Jabba´s Palace) gleiche einer Moschee, der Wachturm einem Minarett, die Figuren seien als Orientalen mit Gewehren, Schwertern und Kanonen dargestellt. Die türkische Kulturgemeinde behalte sich eine Klage wegen Volksverhetzung vor. Der weltweit erfolgreiche dänische Spielzeughersteller setzt natürlich auf Dialog.

Wer den Vorgang, der es jüngst in die TAZ und heute auch in DIE WELT geschafft hat, im Detail prüfen will, dem sei die interessante Webseite der Türkische Kulturgemeinde Österreich empfohlen. Hier finden wir nicht nur den LEGO-kritischen Artikel von Yüksel Karaman unter http://www.turkischegemeinde.at/index.php?id=312

Vorsicht Propaganda!
Der Artikel ist meine Erachtens pure Propaganda! Vordergründig wird zwar das waffenstarrende Spielzeug als „pädagogische bedenklich“ kritisiert. Doch diese Argumentationsebene ist nur vorgeschoben. Um was es tatsächlich geht, verrät uns Yüksel Karaman auch: „Es ist offensichtlich, dass für die Figur des hässlichen Bösewichts Jabba und die ganze Szenerie rassistische Vorurteile und gemeine Unterstellungen gegenüber den Orientalen und Asiaten als hinterlistige und kriminelle Persönlichkeiten (Sklavenhalter, Anführer von Verbrecherorganisationen, Terroristen, Verbrecher, Mörder, Menschenopferung) bedient wurden.“ Zur eigenen Prüfung der Substanz der Vorwürfe sei Legos eigener Kurzfilm zu dem umstrittenen Bausatz empfohlen http://starwars.lego.com/de-de/Products/9516.aspx

Natürlich ist LEGO nicht blöd genug, sich gegen die konstruierten Vorwürfe angemessen zu wehren, schließlich will man ja auch künftig in muslimischen Kinderzimmern stattfinden. Business first.

Türkischer Völkermord an Christen wird verschwiegen
Ich bin hingegen bei der Recherche auf der Webseite der Türkische Kulturgemeinde Österreich gerade auf einen wirklichen Skandal gestossen: In der Kategorie „Religion“, findet sich ein umfänglicher Artikel mit dem Titel „Das Christentum in Anatolien“.

Während der ungenannte Autor mannigfaltige historische Details aufreiht, sich beispielsweise aufführlich über die Rolle der Maria im Islam auslässt, verschweigt der Verfasser die blutigen Details aus der jüngeren Geschichte des Christenstums in der Türkei! Kein Wort über den Völkermord an vermutlich 2 Millionen (!) Christen durch die „Jungtürken“ zwischen 1915-1920, davon mindesten 500.000 Aramäern (altsyrische Christen, nicht zu verwechsenln mit Armenieren), nachzulesen z.B. bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_an_den_Aram%C3%A4ern

Ebenfalls findet sich kein Wort zur aktuellen Unterdrückung der christlichen Mindertheit in der Türkei, wie sie z.B. Anna Reimann und Yassin Musharbash in einem Spielel-Artikel („Hass auf die kleine Herde“) beschrieben haben. „Christliche Kirchen sind nicht rechtlich anerkannt, dürfen keinen Bankkonten führen, keine Immobilien besitzen, Kirchen dürfen ihre Priester nicht ausbilden.“

Türkische Gemeinde Österreich disqualifiziert
Damit stellt sich auch die Türkische Gemeinde Österreichs in den Dienst der offiziellen Leugnungspolitik der Türkei – und hat sich damit für ernsthafte „pädagogische“ Debatten um Spielzeug auf jeden Fall disqualifiziert.

zwischenrufer / 26.01.2013

Schavan: ein Doktortitel weniger – blieben noch vier!

In der Kritik: Annette Schavan hat insgesamt fünf Doktortitel – nimmt ihr die Uni Düsseldorf den ersten, bleiben noch vier – ehrenhalber. Foto: Wikipedia

Die gestrige Meldung, die Universität Düsseldorf habe nun endgültig entschieden, gegen Annett Schavan und ihre Dissertation ein Plagiatsverfahren einzuleiten, rückt die Bundesbildungsministerin wie unerwartet ins Zentrum der Berichterstattung. Ist Schavan jetzt noch zu halten? Was sagt die Bundeskanzlerin? Hatte diese nicht auch schon dem Lügenbaron zu Guttenberg demonstrativ ihr Vertrauen ausgesprochen? Es rauscht im Blätterwald, eine Welle der Entrüstung schwillt an. Den „Fall Schavan“ mit der Frechdreistigkeit zu Guttenbergs zu vergleichen, verbietet sich in jedem Fall, wie ein Blick auf die Fakten nahelegt.

Ein interessantes Detail meiner Recherchen will ich der Textarbeit indes voranstellen: Frau Dr. Schavan stünde selbst nach Aberkennung ihres 1980 zuerkannten Doktortitels keinesfalls ohne da. Hilfsweise könnte sie dann einen der vier Ehrendoktortitel führen, die ihr ausländische Universitäten in den vergangenen Jahren verliehen haben.

Auch Schavanplag fördert die Lesekompetenz
Derzeit können wir im Internet über das Internet, ausführlich unter http://schavanplag.wordpress.com/ ein detailliertes eigenes Bild machen. Die eigentlich Doktorarbeit im Originaltext konnte ich online leider nicht finden.

Zunächst sei noch ein Sprung in die Art wissenschaftlichen Arbeitens vor der Einführung von Word nebst Fußnotenverwaltung erlaubt. Denn im Jahr 1980 waren die beiden mächtigsten Werkzeuge heutiger wissenschaftlicher Textarbeit, Word nebst Fußnotenverwaltung und über Internet zugängliche (weil zwischenzeitlich digitalisierte) Literatur noch gänzlich unbekannt. Der Endtext der Dissertation wurde gewiss fein säuberlich mit der Maschine getippt, die Fußnoten (und damit die Quellenangabe) führte man in dieser Zeit noch getrennt und listete sie oft sogar im Anhang solcher Arbeiten. Die meisten Doktorarbeiten dieser Zeit – hier wird Schavan keine Ausnahme machen – entstand aber vermutlich auf unzähligen handbeschriebenen Blättern, viele Bücher waren nur in der Präsenzbibliothek zugänglich, die Literaturliste bestand aus  hunderten von Karteikärtchen, auf denen nicht nur die Quelle selbst sondern meist auch zentrale Aussagen, Zitate und Querverweise notiert wurden. Meist erst kurz vor dem Abgabetermin wurden Arbeiten aus ihren Fragmenten zusammengeführt, korrekturgelesen und dann feinsäuberlich auf allerhöchstens elektrischen Schreibmaschine abgetippt. Wir sollen die kritisierten Fundstellen in Annett Schavans Doktorarbeit auch vor diesem Hintergrund betrachten.

Inhaltlich wiegen die Vorwürfe unterschiedlich schwer, weswegen wir sie nacheinander beleuchten wollen. Ich halte mich hier an die im Kontext der Guttenberg-Affäre entwickelten Plagiatskategorien, wie sie hier sehr übersichtlich dargestellt sind http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/PlagiatsKategorien

Bauernopfer
Von Bauernopfer spricht man (in der Plagiatsforschung!), wenn undokumentiert großräumig zitiert oder sehr textnah redigiert wird, der Quelltext aber lediglich an ggfs. unbedeutender Stelle genannt wird. Im Ergebnis sehen großartige gedankliche Zusammenhänge dann so aus, als seien sie aus dem Quelltext entwickelt worden und somit eigene wissenschaftliche Erkenntnisse des Doktoranden (die es in Dissertationen ja nachzuweisen gilt). Tatsächlich sind sie zitatähnlich abgeschrieben, die Nennung an weniger maßgeblicher Stelle ist das „Bauernopfer“.

Verschleierung
Verschleierungen sind Textstellen, die erkennbar aus fremden Quellen rühren (so wie dieser Absatz hier, er stammt ursprünglich von Guttenplag) aber umformuliert und dabei vom Autor weder als Paraphrase noch als Zitat erkennbar gemacht wurden. Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Neuformulierung (auch) der Verschleierung dienen soll. In der Praxis werden  gefällige Stellen oft lediglich im Duktus der eigenen Arbeit redigiert. Was im Journalismus Alltagsgeschäft ist, ist im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit ggfs. eine schwere Täuschung.

Plagiate und Strukturplagiate
Von einem eindeutigen Plagiat spricht man wiederum, wenn komplette Abschnitte wörtlich und ohne Zitat übernommen wurden. Der schwerwiegendste Fall wäre ein wörtliches Zitat aus einer Quelle, die weder als Fußnote noch im Literaturverzeichnis genannt ist. Darüber hinaus spricht man von einem Strukturplagiat, wenn Struktur, Aufzählungen oder Gliederungen ohne Quellenangabe übernommen werden.

In der Tat, in Annette Schavans Doktorarbeit finden sich Bauernopfer, verschleierte Textpassagen – und auch Plagiate, die Details finden sich auf Schavanplag und sind dem geneigten Leser zur eigenen Prüfung empfohlen.

Hochnotpeinlich dürfte Annett Schavan heute aber auf jeden Fall Seite 225 ihrer Doktorarbeit sein. weswegen ich sie exemplarisch anspreche. Hier rezipiert sie einen fünfzehnseitigen Aufsatz von Alfons Auer, der 1977, zeitnah also zur Abfassung der Doktorarbeit, in der Sammlung Kachetische Blätter erschienen war. Hier hat die Verfasserin den Artikel nicht nur für eine scheinbar eigene Zusammenfassung ausgeschlachtet, sie hat sogar dessen Fußnoten abgeschrieben, wie analoge Namensfehler und falsche Erscheinungsjahre belegen. (Nicht ohne Komik: Da wird in einer Dissertation mit dem Titel „Person und Gewissen“ ausgrechnet der falsch abgeschriebener Name eines Theologen – es handelt sich auch noch um den heutigen Papst – zum Beleg der eigenen Unlauterkeit.) Schon wegen dieser einen Seite wird Annette Schavan den Vorwurf, eine Abschreiberin zu sein, nicht mehr los.

Natürlich könnten viele der angeblichen Plagiate und im Literaturverzeichnis fehlende Werke – bei großzügiger Betrachtung – noch einer gewissen „Schludrigkeit“ beim Zusammenführen der handgeschriebenen Teilskripte geschuldet sein. Viel eher dürfte zutreffen, dass geisteswissenschaftliche Doktorarbeiten ohnehin nur selten neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Tage bringen. Vielmehr gilt es seine Fragestellung zu beherrschen, die maßgeblichen Autoren und Theorien zu kennen und eigene Gedanken daraus zu entwickeln.

Dass Schavans wissenschaftliche Technik und der Gehalt ihrer Doktorarbeit der damaligen Wissenschaftspraxis entsprach, hat auch Doktorvater Gerhard Wehle in einem Interview bestätigt – sonst hätte die Uni Annette Schavan seinerzeit nicht promoviert. Doch der Verdacht vorsätzlicher Täuschung – der auf jeden Fall zum Entzug des Doktortitels führen würde – drängt sich auf.

Allerdings ist im Moment, ganz anders als im Fall zu Guttenberg, anzunehmen, dass die Uni am Ende den Doktortitel nicht einziehen wird. Weil die bei Schavan belegten Verstöße gegen die Promotionsordnung gerade noch ein milderes „Urteil“ erlauben. Weil Schavan andernfalls sicher den Verwaltungsgerichtsweg geht. Oder schon deswegen, weil irgendwann auch einmal Schluss sein muss mit der Akademikerhatz.

Ich plädiere für eine zehnjährige Verjährungsfrist in solchen Fällen. Wenn (trotz Dissertation, Disputation und Veröffentlichung) binnen dieser Frist keiner merkt, dass Herr oder Frau Doktor eigentlich Scharlatane sind, dann seis drum.

zwischenrufer / 23.01.2013

Niedersachsen: 2.000 FDP-Zweitstimmen mehr hätten McAllister gerettet

Ausgelacht! David McAllister, der Verlierer der Niedersachsen-Wahl. Foto: CDU Niedersachsen.

Selten war ein Landtagswahlergebnis so knapp wie am letzten Sonntag in Niedersachsen. Die nächste Regierung von Stefan Weil wird  – aller Voraussicht nach – von 49 Sozialdemokraten und 20 Grünen Abgeordeneten getragen werden. CDU-FDP um den nunmehr abgewählten McAllister kommen zusammen lediglich auf 68 (54/14) Mandate. Reflexartig wird von der CDU eine „Zweitstimmen-Kampagne“ zu Gunsten der FDP für das Desaster verantwortlich gemacht. Wer die Zahlen prüft, den „statistischen“ Wählerwillen, wie er dank der Landeswahlleitung vortrefflich auf http://www.aktuelle-wahlen-niedersachsen.de/LW2013/start.html dargestellt und aufbereitet ist, kommt auf ganz andere Gedanken.

Zweistimmen-Kampagne, die es nie gegeben hat
Erstens ist da eine behauptete Zweitstimmen-Kampagne zu Gunsten der FDP – die es – zumindest so wie am Wahlabend behauptet – überhaupt nicht gegeben hat! (Ich will hier nicht bestreiten, dass es für einen konservativen Wähler ggfs. taktisch klug erscheint, mit der Zweitstimme FDP zu wählen. Ich bestreite der CDU eine solche Kampagne!) Denn meines Wissens hat keiner der christdemokratischen Granden im Wahlkampf vernehmlich dazu aufgefordert, das politische Überleben der FDP (oder gar das Philipp Röslers) durch „Leihstimmen“ an die FDP zu sichern.

Was wollen wir vergleichen?
Zweitens, auch die „nackten“ Zahlen (ich ignoriere alle Vergleiche mit Wahlprognosen und Umfrageergebnissen mit Vorsatz) belegen keine solche Kampagne, schließlich hat die FDP im Vergleich der Wahlen 2008/2013 lediglich einen einzigen (!) Sitz (13/14) zugelegt und sich beim Zweitstimmenanteil prozentual nur um 1,7% verbessert (8,2/9,9). Vergleichen wir gar den letzten relevanten Wählerwillen, die Niedersachsen-Ergebnisse der Bundestagswahl 2009, ist die FDP bei den prozentualen Zweitstimmen sogar deutlich geschumpft (13,3/9,9).

2.000 FDP-Zweitstimmen haben gefehlt
Drittens. Wenn es die behauptete Zweitstimmen-Kampagne allerdings je gegeben hat, dann war sie eben deshalb ein Mißerfolg, weil die FDP zu wenig Zweitstimmen bekommen hat! Diesen Befund finden wir auf http://www.wahlrecht.de/news/2013/landtagswahl-niedersachsen-2013.html#mehrheit sehr übersichtlich aufbereitet. Denn was die Wahl tatsächlich entschieden hat: Hätte die FDP am Sonntag auch nur 2.000 Zweitstimmen mehr bekommen (selbst wenn sie von der CDU gewesen wären), wäre David McAlllister Ministerpräsident von Niedersachsen geblieben!

Oder weniger als 1.000 Erststimmen für die CDU
Viertens. Übrigens hätten auch weniger als 1.000 Erststimmen mehr zu Gunsten der CDU die Wahl entscheiden können! Denn der Vorsprung der SPD-Kandidaten im Wahlkreis 21 (Hildesheim) und 69 (Wilhelmshaven) betrug jeweils nur 334 bzw. 406 Erststimmen

Christian Wulff wird totgeschwiegen
Staunend, das muss ich an irgendeiner Stelle dieses Artikels einmal anmerken, macht mich die Tatsache, dass NIEMAND, weder Wahlsieger, noch Wahlverlierer oder Interpreten der Wahl das relativ schlechte Abschneiden der CDU in irgendeine Verbindung zu Christian Wulffs Scheiternsgeschichte bringen. Meines Erinnerns war Christian Wulff bis zu seiner Wahl 2010 zum Bundespräsidenten Ministerpräsident in Niedersachsen, McAllister wurde sein Nachfolger.

Bundesrats-Mehrheit dahin
Kommen wir zu den bundespolitischen Implikationen der Niedersachsen-Wahl. Ab sofort hat die aktuelle Regierung im Bundesrat keine Mehrheit mehr. Ob das die Opposition bis zur Bundestagswahl konstruktiv einsetzen kann, sei dahingestellt.

Viel wichtiger: Spätestens seit der Wahl in Baden-Württemberg hat die CDU ein echtes Problem, mit der Realität wie mit den Prognosen. Denn die FDP wird wohl trotz Philipp Rösler und Rainer Brüderle bequem in den nächsten Bundestag kommen. Für alles andere sind liberal-konservative Wähler vermutlich zu schlau. Erreicht also die FDP bei der Bundestagswahl z.B. geschmeichelte 8% , muss Angela Merkel von den aktuell guten Umfrageergebnissen – Forsa bzw. Infratest sehen die CDU diese Woche bei  43 bzw. 42%  – am Tag der Wahl und trotz aller Leihstimmen 40% für die CDU realisieren.

Das wird, wenn die SPD endlich begriffen hat, dass die Wahlergebnisse des Herbstes 2013 noch völlig offen sind, ein spannendes Jahr.

zwischenrufer / 22.01.2013