Weltweiter Daten-Krieg?

Julian Assange, Prototyp eines Datenterroristen? Foto: Espen Moe / originally posted to Flickr / 2010

Julian Assange, Prototyp eines Datenterroristen? Foto: Espen Moe / originally posted to Flickr / 2010

Am 28. November 2010 begann die Internetplattform Wikileaks mit der Veröffentlichung von 250.000 US-Botschafts-Depeschen, die ihr von einem US-Soldaten zugespielt worden waren. Bekannt wurde dadurch bisher vor allem das peinliche Niveau der diplomatischen Schnüffelei.

Doch die US-Regierung und ihr nahestehende Unternehmen haben mit einer Einschüchterungs- kampagne nun nicht nur Hacker sondern auch weite Teile der Internetgemeinde gegen sich aufgebracht.

Während ein Teil der Presse zunächst die veröffentlichten Berichte als „Party-Klatsch“ kleinschrieb, Politiker befreundeter Staaten Inhalte und Schaden kleinredeten, brachte die amerikanische Regierung neben ihrem Justizapparat auch ihr nahestehende US-Firmen gegen die Hacker in Stellung.

Amazon verbannte Wikileaks von seinen Servern, PayPal fror das Wikileaks-Spendenkonto ein, auch MasterCard und Visa wollten Wikileaks vom Spendengeld seiner weltweiten Unterstützer abtrennen. Zwar streiten Online-Giganten wie Amazon, Paypal, Visa oder Mastercard hartnäckig ab, von der US-Regierung unter Druck gesetzt worden zu sein, wollen aber wegen Verstößen gegen die Geschäftsbedingungen plötzlich nichts mehr mit Wikileak zu tun haben.

Teile der Internet-Community, allen voran die Anon-Bewegung aus dem Anarcho-Forum 4chan, „schlugen mit aller Härte zurück“, berichtet CHIP (11.12./“Wikileaks: Die ganze Wahrheit rund um Assange & Co.“). Ihnen werden massive DDoS-Attacken auf die Server und Webseiten der Geldhäuser zugeschrieben.

Versuche, über die WikiLeak-Server auch die Inhalte aus dem Internet zu kicken, scheiterten kläglich am Widerstand der weltweiten Internet-Community: Nach nur vierzehn Tagen sollen bereits über 1.500 Server die Inhalte von Wikileak spiegeln. Dieser Geist ist also ganz gewiss aus der Flasche.

Bedenklich war ja bereits die Leichtfertigkeit, mit der die Supermacht mit sensiblen oder gar geheimen Informationen umgeht. Allemal  empörend ist jedoch, wie die US-Regierung auf die selbstverschuldete Datenpanne reagiert.

Wirklich beeindruckend ist hingegen, wie sich die weltweite Internet-Community gegen die nun offenbarten kolonialistischen Vorstellungen von Rechtsstaatlichkeit, Meinungs- und Pressefreiheit zur Wehr setzt. Eine auch von uns unterstützte Petition an die US-Regierung fand binnen 24 Stunden bereits 500.000 Unterzeichner.

Wir fordern Sie auf, das scharfe Vorgehen gegen WikiLeaks und seine Partner sofort zu stoppen. Wir ermahnen Sie, die demokratischen Prinzipien und die Gesetze für Meinungs- und Pressefreiheit zu respektieren. Falls WikiLeaks und die Journalisten, mit denen es arbeitet, gegen Gesetze verstoßen haben, sollten diese in einem ordentlichen Gerichtsverfahren verurteilt werden. Sie dürfen keiner außergerichtlichen Einschüchterungs-Kampagne ausgesetzt werden.

>>> Petition unterstützen

Ob für Wikileaks-Sprecher Julian Assange abzusehen war, dass er der US-Regierung künftig als Staatsfeind gilt, sei dahingestellt.  Dass er eines Tages für die – absolut gerechtfertigte -Veröffentlichung amerikanischer Kriegsverbrechen würde bezahlen müssen, war allerdings abzusehen. Statt eigene Fehler, z.B. verantwortungslosen Umgang mit sensiblen Daten, einzugestehen und sich vor der Welt für die Datenpanne zu entschuldigen, wird Assange stellvertretend für die ganze Wikileaks-Gemeinde zum Daten-Terroristen dämonisiert.

zwischenrufer / 10.12.2010

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